Evaluation des Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen

Die Evaluation des Landesrahmenprogramms Integrationslotsinnen und Integrationslotsen hat 2014/15 erfolgte mittels eines Zusammenspiel quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden durch eine Dokumentenanalyse, eine Auswertung von Fallstatistiken, Interviews und (Fokus-)Gruppendiskussionen mit Projektkoordinator/innen und Lotsinnen und Lotsen sowie (teilnehmende) Beobachtung. Im Rahmen von Workshops wurden (Zwischen)Ergebnisse validiert.
Im Folgenden werden ausgewählte Ergebnisse und Empfehlungen vorgestellt.

Integrationspolitischer Mehrwert

Das Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen und Integrationslotsen stellt einen Paradigmenwechsel dar, und zwar weg von der Maßnahmenlogik arbeitsmarktpolitischer Programme, die grundsätzlich zeitlich befristet angelegt sind und darauf abzielen, keine Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt zu erzeugen, hin zur Anerkennung und Verstetigung der Lotsentätigkeit in Richtung einer regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die integrationspolitische duale Zielstellung – einerseits Neuzugewanderten und bereits länger in Berlin lebenden Migrantinnen und Migranten Integration und Teilhabe in Berlin zu erleichtern und andererseits Migrantinnen und Migranten bei der Entwicklung einer beruflichen Perspektive zu unterstützen – wurde aus den bereits teils seit 10 Jahren bestehenden Projekten weitergeführt.
Das für die Adressatinnen und Adressaten nun kontinuierlich vorgehaltene Angebot bedeutet jedoch für die Lotsinnen und Lotsen keine dauerhafte Beschäftigungsperspektive, da weiterhin auf die Laufzeit der jeweiligen Projektförderungen befristete Arbeitsverträge abgeschlossen werden, deren mehrfache Verlängerung arbeitsrechtlich nicht problemlos umgesetzt werden kann. Deshalb sollten die Bemühungen verstärkt werden, die Anschlussfähigkeit an angrenzen-de berufliche Felder zu ermöglichen und an bestehende Initiativen zur Entwicklung der Lotsentätigkeit in Richtung eines anerkannten Ausbildungsberufes anzuknüpfen.

Professionalisierung und Qualitätssicherung der Lotsentätigkeit

Ein Professionalisierungsprozess der Lotsentätigkeit wurde sowohl in konzeptioneller Hinsicht – Entwicklung eines Aufgabenprofils und erste Schritte zur Entwicklung eines Berufsbildes – als auch hinsichtlich der Handlungspraxis der Lotsinnen und Lotsen in Gang gesetzt. So haben die Lotsinnen und Lotsen beispielsweise projektübergreifend lotsentypische Handlungsorientierungen ausgebildet.
Die Lotsenprojekte haben einen gemeinsamen Mindestqualitätsstandard erreicht, der durch die Qualifizierung und die Begleitstruktur erreicht wurde, die in inhaltlicher und organisatorischer Verantwortung der Regiestelle bei der SPI Consult GmbH liegt. Dabei erweisen sich die Basisqualifizierung und bedarfsorientierte flexible Zusatzqualifizierungen, die Vernetzung und der Austausch einerseits der Projektträger und andererseits der Lotsinnen und Lotsen sowie die Supervisions- und Coachingangebote als geeignete Instrumente für die Sicherung der Qualität. Diese durch die Regiestelle umgesetzte Begleitstruktur wird im Sinne einer doppelten Begleitstruktur durch eine enge Begleitung der Lotsinnen und Lotsen durch die Träger ergänzt, die für die Qualitätssicherung der Lotsenarbeit in den Bezirken ebenso erforderlich ist.

Entwicklung aller funktionalen Bereiche der Lotsentätigkeit

Bei der Weiterentwicklung der Lotsentätigkeit sollte darauf geachtet werden, dass alle funktionalen Bereiche der Lotsentätigkeit im Landesrahmenprogramm zusammengefasst werden. Neben den bereits existierenden Funktionen

  • der niedrigschwelligen Informations- und Verweisungsfunktion (z.B. durch Wegweiserlotsinnen und Wegweiserlotsen verkörpert) und
  • der Assistenzfunktion, bei der Lotsinnen und Lotsen Fachkräfte sozialer Dienste und Einrichtungen unterstützen, teils auch verknüpft mit aufsuchenden Ansätzen (z.B. durch die Stadtteilmütter verkörpert)
  • sollte auch

  • die Sprach- und Kulturmittlungsfunktion

im Landesrahmenprogramm aufgebaut werden. Eine nicht-zertifizierte Form der einfachen Sprach- und Kulturmittlung im Sinne eines begleitenden alltagssprachlichen Übersetzens sollte im Landesrahmenprogramm entwickelt und durch Qualifizierungen abgesichert werden – in Abgrenzung und Ergänzung auch zur zertifizierten Dolmetschtätigkeit im Rahmen des kostenpflichtigen Angebots des Gemeindedolmetschdienstes, mit dem kooperiert werden sollte.

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