Studie zu transfeindlicher Gewalt in Berlin
Type of project: Research
client/donor: Landesstelle für Gleichbehandlung - gegen Diskriminierung (LADS) Berlin
Project team: Dr. Albrecht Lüter, Dana Breidscheid, Dr. Sarah Riese
Duration: 5/1/2024 – 12/31/2024
Publications
Eine Vertiefungsstudie zum Berliner Monitoring queerfeindliche Gewalt Research report 2025, Berlin
Trans* Personen sind besonders häufig und in besonders vielen Situationen und Kontexten von Hassgewalt betroffen. Das geht übereinstimmend aus polizeilichen Statistiken, EU-weiten Befragungen der Grundrechteagentur der EU sowie Einschätzungen der Berliner Anti-Gewalt-Beratungsstellen hervor. Die Berliner Anti-Gewalt-Beratungsstellen berichten zudem, dass transfeindliche Gewalt in den vergangenen Jahren im Kontext polarisierter Debatten um das Selbstbestimmungsgesetz noch deutlich zugenommen hat. Das Land Berlin hat sich daher zum Ziel gesetzt, mithilfe einer themenspezifischen Studie zu Bedarfen und Optionen der Prävention und Bekämpfung transfeindlicher Gewalt „zielgerichtet weitere Maßnahmen zu entwickeln“. Die Studie steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Berliner Monitoring trans- und homophobe Gewalt hat in seiner zweiten Ausgabe (2022) einen Themenschwerpunkt auf transfeindliche Gewalt gelegt. Im Sinne einer Ausgangslage soll die Studie auf dieser Grundlage und unter Berücksichtigung weiterer Quellen – wie dem Berlin-Monitor 2023 – das aktuelle Ausmaß und die Formen transfeindlicher Gewalt in Berlin überblickshaft darstellen.
Zudem soll die Studie ergänzend und als Teil einer umfassenden Gewaltanalyse die Bewährung von Antworten und Gegenstrategien zu trans*feindlicher Gewalt unter-suchen. Dabei sollen insbesondere Teilhabebarrieren, institutionelle Diskriminierung und Gewalt sowie eine Professionalisierung in Richtung von Transinklusivität in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen in den Blick genommen werden. Die Studie wird in ausgewählten gesellschaftlichen Bereichen neben (a) bereichspezifischen Erscheinungsformen transfeindlicher Gewalt auch (b) Formen proaktiver Transinklusivität untersuchen. Folgende Bereiche bieten sich für eine vertiefende Untersuchung besonders an:
Das Gesundheitswesen wird besonders häufig als Ort transfeindlicher Gewalt und Diskriminierung genannt. Diese Befunde sollen vertieft werden und insbesondere eruiert werden, ob und wo im Berliner Gesundheitssystem – neben den Veränderungen, die das nun verabschiedete Selbstbestimmungsgesetz mit sich bringt – bereits Veränderungen eingeleitet wurden bzw. welche Veränderungen an welchen Stellen eingeleitet werden können und sollen.
Auch der Bereich Schule hat einen hohen Stellenwert als Ort von Gewalterfahrungen von LSBTIQ* Jugendlichen und insbesondere trans* Jugendlichen. Die vorliegenden Befunde können als Ausgangspunkt dienen, um (a) spezifisch die Situation von trans* Kindern und Jugendlichen in den Blick zu nehmen und (b) zu eruieren, inwieweit sich in Berliner Schulen in den vergangenen Jahren Veränderungen ergeben haben.
Auch Diskriminierung am Arbeitsmarkt ist ein verbreitetes und oft berichtetes Problem. Um Diskriminierung und Gewalt gegen trans* Personen auf dem Arbeits-markt zu untersuchen, soll exemplarisch die Berliner Verwaltung als Teilsegment des Berliner Arbeitsmarkts in den Blick genommen werden. Sie ist der größte Arbeitgeber in Berlin, zudem können identifizierte Bedarfe besonders gut und unmittelbar in Handlungsempfehlungen übersetzt werden und im Rahmen beispielsweise der IGSV und des Diversity-Landesprogramms wurden in den vergangenen Jahren bereits wichtige Schritte gegangen, aus denen ggf. auch Empfehlungen für andere Bereiche abgeleitet werden können.
Methodisches Vorgehen
Für eine aktuelle Darstellung des Ausmaßes und der Formen transfeindlicher Gewalt kann auf das Berliner Monitoring Gewaltdelinquenz und die ihm zugrunde liegenden Daten zurückgegriffen werden. Für das Schwerpunktthema der Studie wird eine Serie von ca. zehn qualitativen Interviews geführt. Dabei sollen pro Bereich sowohl Perspektiven der Zivilgesellschaft wie auch von Vertreter*innen der zum untersuchten Gegenstandsbereich gehörigen Körperschaften, Firmen oder Organisationen einbezogen werden. Die Interviews richten sich weniger auf die Zielgruppe individueller Betroffener, als auf Ansprechpersonen und Zuständige in den jeweiligen Bereichen, die auskunftsfähig sind sowohl über Erscheinungsformen transfeindlicher Gewalt wie auch über institutionelle Antworten und Vorkehrungen in ihren Handlungsfeldern. Die Interviews werden inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Ergebnisse werden einerseits pro Themenfeld ausgewertet und dargestellt, andererseits ergeben sich auch Möglichkeiten bereichsübergreifender Vergleiche, die insbesondere für die Entwicklung von Handlungsempfehlungen nutzbar gemacht werden können. Der Bericht mündet in Handlungsempfehlungen, die erstens Akteur*innen in den jeweiligen Themenfeldern und zweitens den Berliner Senat und die Landes-antidiskriminierungsstelle adressieren.