Studie zur Vergabepraxis der „Pille danach“

Projektformat: Forschung

Auftraggeber/Fördergeber: pro familia Bundesverband

Projektdurchführende: Dorte Schaffranke, Dr. Meggi Khan-Zvorničanin, Alina Goldbach

Laufzeit: 01.08.2018 – 31.12.2018

Weitere Informationen unter: https://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Fachpublikationen/Verhuetung/Pille_danach-Zugang-ohne_huerden.pdf

Projektbeschreibung




Seit dem Frühjahr 2015 ist die Pille danach rezeptfrei erhältlich, Mädchen und Frauen können nach Verhütungspannen einfach eine Apotheke aufsuchen, sich fachkundig beraten lassen, eine selbstbestimmte Entscheidung treffen, Notfallverhütung kaufen und das Schwangerschaftsrisiko senken – doch ist die Vergabesituation wirklich so eindeutig?

Im Auftrag des pro familia Bundesverbands, gefördert durch das Bundesfamilienministerium, wurde von August bis Dezember 2018 eine qualitative Befragung zur Vergabepraxis der „Pille danach“ in Apotheken von Camino durchgeführt. Ziel war es, sich anhand der exemplarischen Interviews den Fragen anzunähern, wie Frauen den Kauf der „Pille danach“ wahrnehmen, wie sie die Beratung durch Apotheker*innen bewerten und welche Zugangsprobleme ihnen möglicherweise begegnen. Die Interviews ermöglichten es, die Erfahrungen der Interviewpartnerinnen kennenzulernen und Schlüsse zu ziehen, welche Faktoren einen rechtebasierten Zugang einschränken können und welche Maßnahmen die Zugangssituation verbessern könnten.

Die Studie zeigt, dass beim Kauf der Pille danach trotz der Rezeptfreiheit mittelbare Hürden bestehen. Viele Frauen machen Erfahrungen mit Indiskretion und Schuldzuweisungen, die als Zugangsbarrieren wirken können. Der Preis der Pille danach wird ebenfalls als Zugangshürde für einige Frauen bewertet. Hinzu kommt, dass gerade in Situationen wie nach einer Verhütungspanne viele der befragten Frau-en eher unsicherer als in alltäglicheren Situationen sind. Dies gestaltet Beratungsgespräche, in denen indirekte Barrieren auftreten, wenn Apo-theker*innen sich zunächst unkooperativ verhalten, für einige Interviewpartnerinnen noch schwieriger. Oft wirken sich negative Erfahrungen beim Kauf der Pille danach längerfristig auf sie aus. Die Erfahrungen beeinflussen längerfristig beispielsweise das weitere Verhü-tungsverhalten oder das Verhalten bei Folgekäufen der Pille danach. Die Interviewpartnerinnen bewerten die Rezeptfreiheit positiv, sehen die Vergabesituation aber als noch verbesserungsfähig. Sie wünschen sich mehr Diskretion, präparatorientierte fachliche Beratung und größeres Vertrauen in ihren verantwortlichen Umgang mit der Pille danach.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse ist eine umfassendere Aufklärungsarbeit durch Beratungsstellen und Gynäkolog*innen empfohlen. Auch sollten die Beratungs-Leitlinien der Bundesapothekerkammer überprüft werden und im Dialog mit Nutzerinnen, Mediziner*innen sowie Berater*innen Maßnahmen zur Verbesserung der Vergabepraxis koordiniert werden.