Evaluation der Beratungsstelle Berlin - Wege aus dem Extremismus (VPN)
Projektformat: Evaluation/Wissenschaftliche Begleitung
Auftraggeber/Fördergeber: Landeskommission Berlin gegen Gewalt
Projektdurchführende: Dr. Albrecht Lüter, Moritz Konradi
Laufzeit: 01.04.2021 – 31.03.2024
Publikationen
Projektbeschreibung
Die Beratungsstelle Berlin – Wege aus dem Extremismus ist im Land Berlin das zentrale Beratungsangebot im Bereich der Deradikalisierungsarbeit zu Islamismus. Als zivilgesellschaftliches Angebot arbeitet es eng mit Institutionen aus dem sicherheitsbehördlichen Bereich zusammen – insbesondere mit dem DERADNET. Das Projekt wird getragen vom Violence Prevention Network e.V., das vergleichbare Beratungsangebote auch in anderen Bundesländern etabliert hat. Zugleich ist das Projekt eine fachlich weitgehend identische Fortschreibung der Beratungsstelle KOMPASS, die durch die Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention bei Camino bereits evaluiert wurde.
Die Evaluation der Beratungsstelle Berlin orientiert sich im Sinne einer Follow-Up-Studie teilweise am Design der KOMPASS-Evaluation, das aber auf nun eine mittlerweile langjährig erfahrene Beratungsstelle bezogen wird. Hiermit können Aussagen generiert werden, die sich im Kern auf die Mikroebene einzelner Fallverläufe beziehen.
Bei der Evaluation handelt es sich jedoch nicht um eine reine Replikationsstudie. Vielmehr werden weitere Fragestellung integriert, die sich am Ziel einer komplexen Bewertung und Weiterentwicklung der Berliner Deradikalisierungsarbeit orientieren – insbesondere kommt hier das Schnittstellenmanagement von Zivilgesellschaft und Behörden/Verwaltung in den Fokus.
Die Beratungsstelle Berlin im Bundesländervergleich und Evaluationssynthese
Bei der KOMPASS-Evaluation handelte es sich um eine Pionierarbeit, die weitgehend ohne Vorbilder den noch im Aufbau befindlichen und seitdem dynamisch gewachsenen Bereich der Prävention islamistischer Radikalisierung evaluierte. Demgegenüber liegen mittlerweile verschiedenen Evaluationsstudien auch zu den Beratungsangeboten in anderen Bundesländern vor.
In einem ersten Schritt sichert und bilanziert die Evaluation Erkenntnisse und Befunde dieser Studien. Zudem werden in diesem Rahmen auch die Strukturen des Berliner Beratungsangebotes mit denen anderen Bundesländern verglichen. Dabei geht es nicht nur um den pädagogisch-beraterischen Ansatz, sondern um die strukturelle Anlage der Beratungsangebote, etwa die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden, die Zuweisung von Fällen, das konkrete Beratungsmandat oder auch die Ausstattung und Finanzierung.
Umfeldanalyse: Schnittstellen und Kooperationen
In einem weiteren Schritt rückt der Grundansatz des zivilgesellschaftlich getragenen, aber eng mit staatlichen Sicherheitsstrukturen verschränkten Beratungsangebots in den Mittelpunkt. Die Evaluation fragt nach Vernetzung und Kooperation des Beratungsangebots mit anderen Strukturen im Themenfeld: Welche besonderen Potenziale hat die zivilgesellschaftliche Anlage, welche Herausforderungen ergeben sich aus der sicherheitsbehördlichen Rahmung und wie wird ihnen begegnet? Methodisch wird hierzu auf Expertengespräche mit Akteuren aus dem DERADNET, der Innenbehörde, aus Verfassungsschutz und LKA usw. gesetzt, die ggf. ergänzt werden durch Befragungen von Einrichtungen, die VPN hinsichtlich der von PREVENT beratenen Fälle in Teilaspekten unterstützen sowie durch Interviews mit weiteren Expert*innen der Berliner Präventionslandschaft. Dieser Schritt verspricht einen „Blick von außen“ auf das Beratungsangebot. Er erweitert den Innenblick auf das Beratungsangebot um Einschätzungen, Erwartungen und Anregungen weitere Akteure im Themenfeld.
Fallanalyse zu Verläufen und Ergebnissen der Beratungen
Die Evaluation des Beratungssettings und der Beratungsergebnisse sind methodisch an die KOMPASS-Evaluationen angelehnt. Damit ist eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet sowie eine Bewertung der Weiterentwicklung gegenüber der früheren Implementationsphase des Angebots.
Angesichts erheblicher Schwellen hinsichtlich der direkten Begleitung der Befragung der Beratungsnehmer*innen durch die Evaluation werden erneut vor allem zwei Zugänge gewählt:
Eine Analyse der VPN-Datenbank zu laufenden und früheren Beratungsfällen wird genutzt, um einen umfassenden Überblick über die Beratungsfälle zu gewinnen. Die Evaluation baut hierbei auf der Zulieferung von – durchgehend anonymisierten – Daten zu Beratungsfällen durch VPN auf.
Detailliertere Bewertungen werden durch die standardisierte Einstufung und Darstellung von Beratungsfällen anhand eines für die Evaluation entwickelten Fallerfassungsbogen vorgenommen. Die Evaluation umfasst zwei Messzeitpunkte umfassen, zu denen die Berater*innen selbst die jeweiligen Fälle und ihre Entwicklung im Zuge der Beratung bewerten.
Als weiterer empirischer Zugang werden intensive Fallgespräche mit Berater*innen zu Beginn und zum Ende der Evaluation vorgenommen. Für eine kleine Anzahl von Fällen wird damit die volle Komplexität der individuellen Beratungsfälle berücksichtigt.